1. Was ist Hessisch?
Hessisch ist eine Gruppe mitteldeutscher Mundarten des Rheinfränkischen, gesprochen vor allem in Hessen sowie in angrenzenden Teilen von Rheinland-Pfalz, Westfalen und Bayern. Man gliedert sie in Südhessisch (mit Frankfurterisch), Mittelhessisch, Nordhessisch und Osthessisch.1
Was im Fernsehen als „Hessisch“ läuft, ist meist das Südhessische — halb im Scherz auch „Äbbelwoihessisch“ (Apfelweinhessisch) genannt; die traditionellen Ortsmundarten leben heute vor allem in den Dörfern.1
Das Hessische hat die hochdeutsche Lautverschiebung nur teilweise mitgemacht: t → s und k → ch ja, p → pf nein — deshalb Appel statt „Apfel“.1 Typisch ist außerdem, dass ch und sch (und stimmhaftes/stimmloses s) kaum unterschieden werden: Kirche und Kirsche klingen fast gleich — was umgekehrt zu Überkorrekturen wie „Kirchbaum“ statt Kirschbaum führt.1
| Hochdeutsch | Hessisch | Anmerkung |
|---|---|---|
| Apfel | Appel | p → pf fehlt (rheinfränkisch) |
| Apfelwein | Äbbelwoi | das südhessische Nationalgetränk |
| Kirche / Kirsche | (fast gleichlautend) | ch/sch-Zusammenfall |
| fest | fest (südlich: fescht) | fest/fescht-Grenze zum Pfälzischen |
Südlich des Mains fehlt das Präteritum: statt „ich kam“ sagt man ich bin kumme (Perfekt).1 Den Genitiv ersetzt man durch Umschreibungen — aus „Georgs Buch“ wird des Buch vum Schorsch oder em Schorsch soi Buch.1
Weiterlernen & Quellen
Wissenschaftlich dokumentiert ist das Hessische u. a. im Südhessischen Wörterbuch und im Hessen-Nassauischen Volkswörterbuch; die Syntax wurde im Marburger Projekt „SyHD — Syntax hessischer Dialekte“ untersucht.1
Dieser Leitfaden ist ein Startkapitel: Er deckt die Orientierung und die ersten A1-Inhalte ab und wird in kommenden Ausgaben — nach dem Vorbild des Bairisch-Leitfadens — durch alle acht GER-Teilstufen (A1.1 bis B2.2), Vokabellisten und Übungen erweitert.
Notes & Bibliography
- „Hessische Dialekte“, Wikipedia (deutsch) — rheinfränkisch-mitteldeutsche Einordnung, Gliederung (Süd-/Mittel-/Nord-/Osthessisch), Appel/Apfel-Isoglosse, ch-sch-Zusammenfall (Kirche/Kirsche, Hyperkorrektur „Kirchbaum“), Präteritumschwund südlich des Mains (ich bin kumme), Genitivumschreibung (des Buch vum Schorsch / em Schorsch soi Buch), „Äbbelwoihessisch“, Wörterbücher und SyHD-Projekt. [source] ↩