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Pennsylvania Dutch

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A1.1Orientierung — was du lernst

1. Was ist Pennsylvania Dutch?

Pennsylvania Dutch — in der Sprache selbst Deitsch oder Pennsilfaanisch — ist eine Varietät des Pfälzischen (Rheinfränkischen), gesprochen von den Pennsylvania Dutch: Amischen, Mennoniten, den sogenannten Fancy Dutch und verwandten Gemeinschaften in den USA und Kanada. Mit rund 300.000 Muttersprachlern wächst die Sprache sogar — getragen von den kinderreichen amischen und altmennonitischen Gemeinden.1

Der Name führt in die Irre: „Dutch“ ist hier ein altes englisches Wort im Umfeld von Deitsch („Deutsch“) — mit dem Niederländischen ist die Sprache nur entfernt verwandt. Die Sprecher stammen von Einwanderern des späten 17. und des 18. Jahrhunderts ab, vor allem aus Süddeutschland (besonders der Pfalz), daneben aus dem Elsass und Lothringen.1

Für Deutschsprachige ist Pennsylvania Dutch besonders zugänglich: Es ist im Kern ein transatlantisches Pfälzisch, das zwei Jahrhunderte lang mit dem Englischen zusammengelebt hat. Die meisten Sprecher leben heute in Pennsylvania, Ohio und Indiana sowie in Ontario.1

A1.2Erster Kontakt — Klang & erste Wörter

Vieles verstehst du sofort; die Reize liegen im Detail — pfälzische Formen, eigene Schreibung und englische Lehnwörter, die sich der deutschen Grammatik fügen:1

Pennsylvania DutchHochdeutschAnmerkung
DeitschDeutsch / das PennsylvaniadeutscheEigenname der Sprache
schwetzesprechen, redenpfälzisch (vgl. schwätzen)
Ich bet, du kannscht Deitsch schwetze.Ich wette, du kannst Deitsch sprechen.belegter Beispielsatz — englisches Lehnwort bet
tschaeppKerl, Typengl. chap in Deitsch-Schreibung
tschumbespringenengl. to jump mit deutscher Endung -e

Achte auf kannscht: Die 2. Person Singular auf -scht ist ein pfälzisches Erbe, das Pennsylvania Dutch mit seinen europäischen Verwandten teilt.1

Weiterlernen

Die Sprache hat einen ISO-Code (pdc), eine dokumentierte Grammatik- und Wörterbuchtradition und dank der amischen und mennonitischen Gemeinden eine gesicherte gesprochene Zukunft; die UNESCO stuft sie nicht als gefährdet ein.1 Spätere Ausgaben ergänzen Lautsystem, Grundwortschatz und Lesestoff.

A2.1Deitsch schreiben — zwei Rechtschreibschulen

Es gibt keine amtliche Orthographie. Zwei Modelle konkurrieren: Die eine Schule schreibt nach den Gewohnheiten des amerikanischen Englisch, die andere nach den Regeln des Standarddeutschen (das einflussreiche System von Buffington–Barba). Der Unterschied ist rein graphisch — die Aussprache ist dieselbe.1 Am traditionellen Vaterunser sieht man beide Systeme nebeneinander:

HochdeutschPD — englischbasierte SchreibungPD — deutschbasierte Schreibung
Unser Vater im Himmel,Unsah Faddah im Himmel,Unser Vadder im Himmel,
geheiligt werde dein Name.dei nohma loss heilich sei,dei Naame loss heilich sei,
Unser täglich Brot gib uns heute.Unsah tayklich broht gebb uns heit,Unser deeglich Brot gebb uns heit,

Lesetipp für Deutschsprachige: Beginne mit deutschbasierten Texten — sie lesen sich fast wie ein pfälzischer Brief. Englischbasierte Schreibungen erschließen sich, wenn man sie laut liest.1

A2.2Grammatik — ein schlankeres Kasussystem

Pennsylvania Dutch behält die drei Genera bei, kommt aber mit weniger Fällen aus: Substantive unterscheiden nur einen gemeinsamen Kasus (Nominativ + Akkusativ) und einen Dativ; die Personalpronomen behalten drei Fälle.1 Der Genitiv ist verschwunden — Besitz wird mit Dativ + Possessivpronomen ausgedrückt: „der Hund des Mannes“ heißt em Mann sei Hund (wörtlich „dem Mann sein Hund“ — dem Deutschen aus der Umgangssprache wohlvertraut).1

HochdeutschPennsylvania DutchBeobachtung
der Hund des Mannesem Mann sei HundGenitiv → Dativ + sei
(jüngerer Sprachgebrauch)der Mann sei Hundgemeinsamer Kasus dringt in den Dativ vor

Auch der Dativ selbst ist auf dem Rückzug: Feldstudien zeigen den Vormarsch des gemeinsamen Kasus bzw. des Akkusativs, und in der Gemeinde Kalona (Iowa) benutzten Sprecher unter 40 den Dativ gar nicht mehr. Ob der Dativabbau englischem Einfluss oder innerer Entwicklung entspringt, ist in der Forschung umstritten.1

B1.1Englische Verben in deutscher Maschinerie

Die meisten englischstämmigen Verben verhalten sich wie deutsche schwache Verben — mit deutschen Endungen und Partizipien. Belegte Beispielsätze: Ich bet, du kannscht Deitsch schwetze und Es dependt en wennig, waer du bischt.1 Entlehnungen werden lautlich eingedeitscht: tschaepp „Kerl“, tschumbe „springen“.1

A1

Übung A1: erste Wörter und Formen des Deitsch

Practice: Grundwortschatz und Kernformen aus den Tabellen dieses Leitfadens: die pfälzische 2. Person auf -scht, eingedeutschte englische Lehnverben, der Genitiversatz mit sei und Zeilen des Vaterunsers. Schreibe die Deitsch-Form.. Type the missing word — accents are optional.

  1. 1.„sprechen, reden“ heißt auf Deitsch:

    Hint: vgl. das pfälzische Wort für plaudern

  2. 2.Der Eigenname der Sprache:

    Hint: klingt wie das Wort, aus dem „Dutch“ entstand

  3. 3.2. Person Singular: du Deitsch schwetze (können)

    Hint: die pfälzische Endung der 2. Person

  4. 4.„springen“ (aus dem Englischen):

    Hint: beginnt mit tsch-

  5. 5.„Kerl, Typ“ (aus dem Englischen):

    Hint: zweisilbig gesprochen, mit ae geschrieben

  6. 6.„der Hund des Mannes“: em Mann Hund

    Hint: wörtlich „dem Mann … Hund“ — welches Wörtchen fehlt?

  7. 7.Belegter Satz: Ich , du kannscht Deitsch schwetze.

    Hint: aus dem Englischen, drei Buchstaben

  8. 8.Belegter Satz: Es en wennig, waer du bischt.

    Hint: englisches Verb + deutsches -t

  9. 9.Vaterunser: dei Naame loss sei

    Hint: hochdeutsch „heilig“ in Deitsch-Schreibung

  10. 10.Vaterunser: Unser deeglich Brot gebb uns

    Hint: hochdeutsch „heute“, pfälzisch verkürzt

10 questions

Grammar reference: Alle Antworten stammen aus den Tabellen §A1.2 (Klang & erste Wörter), §A2.1 (Vaterunser) und §A2.2 (Kasussystem) dieses Leitfadens, belegt gegen „Pennsylvania Dutch language“, Wikipedia (englisch), erneut abgerufen am 2026-07-03. Aufgaben original LinguaCommons.. Sentences are original to LinguaCommons.

B1.2Eine wachsende Sprache

Pennsylvania Dutch ist der seltene Fall einer nordamerikanischen Minderheitensprache mit Wachstumskurve: Die Schätzungen reichen von 237.000 Muttersprachlern (American Community Survey 2016–2020) bis 350.000 (2012), dazu rund 3.000 Zweitsprachler. Praktisch alle Old-Order-Amischen und die „Horse-and-Buggy“-Altmennoniten geben die Sprache an ihre Kinder weiter — ohne Anzeichen, dass sich das ändert; allein die Old-Order-Amischen zählten 2008 bereits rund 227.000 Menschen.1

Zwei belegte Ausnahmen präzisieren das Bild: Bei den Old-Order-Mennoniten Virginias war das Deutsche schon Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend verdrängt, und in einigen Amisch-Gemeinden (besonders in Indiana) spricht man stattdessen Berndeutsch oder niederalemannisches Elsässisch — wer dort Deitsch erwartet, hört Schweizerdeutsch.1

Außerhalb der Täufergemeinden trägt eine kleine Institutionenlandschaft die Sprache: Die Kutztown University of Pennsylvania bietet ein komplettes Minor-Programm in Pennsylvania German Studies mit zwei vollen Semestern Dialektunterricht, es gibt ein Radioprogramm im Dialekt, und viele lutherische und reformierte Gemeinden Pennsylvanias halten jährlich einen Gottesdienst auf Deitsch.1

Deitsch lesen — heute

Die Zeitung Hiwwe wie Driwwe (seit 1997, gedruckt und online) versammelt rund 100 aktive Mundartautoren;2 die Edition Tintenfaß druckt seit 2006 Bücher auf Pennsylvania Dutch; von Wycliffe gibt es ein Neues Testament (mit Psalmen und Sprichwörtern), dazu Wörterbuch (2013) und Grammatik (2014) von D. Miller.1 Die europäische Heimat der Sprache ist das Pfälzische — besonders die ländlichen Dialekte um Mannheim und Ludwigshafen; mit deren Sprechern können sich Deitsch-Sprecher bis heute teilweise verständigen.1

Dieser Leitfaden wächst iterativ: Diese Ausgabe (Lauf 118) ergänzt die Soziolinguistik der wachsenden Sprechergemeinde, die Institutionen (Kutztown, Radio, Gottesdienste) und die erste Übung; spätere Ausgaben ergänzen Lautsystem, Vokabellisten mit SRS-Deck und weitere GER-Teilstufen.